

Die o.a. Bezirksgruppe
war vom 19.09.2002 bis 21.09.2002 zu Gast bei der Tschechischen Straßenbauverwaltung.
Ziel der Exkursion war das Kennen lernen
des Straßenbaus und der Straßenbauverwaltung unseres Nachbarlandes Tschechien.
Wegen
der großen Entfernung wurde die Hinfahrt am Mittwoch, den 18.09.2002 durchgeführt.
Nach Zwischenstopp im Oberwiesental und Einquartierung im berühmten Hotel
Pupp in Karlsbad stand der
Abend zur freien Verfügung und wurde genutzt um einen kleinen Eindruck dieses
weit über die Grenzen des Landes bekannten Kurbades zu gewinnen. Das Hotel Pupp
in Karlsbad war unser Domizil bis zur Rückkehr am Samstag.
Am
Donnerstag, dem 19.09.2002 wurden wir am Hotel von Herrn Nekula, einem
Mitarbeiter des Ministeriums in Prag, abgeholt. Sie begleiteten den Bus zum Sitz
der Straßen- und Autobahndirektion Verwaltung Kalovy Vary. Dort im
Besprechungsraum
erwarteten
uns neben reichlich mit Erfrischungen gedeckten Tischen bereits verschiedene
Damen und Herren der Verwaltung. Zuerst hielt uns Herr Nekula einen Vortrag über
das Straßennetz Tschechiens, deren Struktur, Ausbauzustand und Grundzüge der Straßenbauverwaltung.
Die Tschechische
Republik hat 10,267 Mio. Einwohner auf einer Fläche von 78864 km² und einen
Staatshaushalt von ca. 14 Mrd. Euro. Auf dem Gebiet der Tschechischen Republik
sind 498 km Autobahnen, 54900 km Straßen, davon 6000 km Straßen der I.
Ordnung, 14700 km Straßen der II. Ordnung und 34190 km Straßen der III.
Ordnung im Betrieb. Dazu gehören insgesamt 15678 Brücken. Die Autobahnen und
Hauptverkehrsstraßen tragen den größten Anteil am Verkehr und verbinden die
wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren sowie Urlaubsgebiete. Dazu
gehört auch das internationale Straßennetz gemäß der Europäischen
Vereinbarung AGR mit einer Länge von 2644 km. Mit einer Dichte von 0,70 km Straßen
und Autobahnen auf 1 km² Fläche nimmt die Tschechische Republik einen der
vorderen Plätze in Europa ein. In Tschechien gab es zum 31.12.2000 insgesamt 4.552.443
Fahrzeuge, davon 442.076 LKW, 3.720.316 PKW und 390.051 Motorräder. Auf 1000
Einwohner kommen 443 Fahrzeuge, davon 362 PKW. Von 1995 bis 2000 stieg die
Verkehrsintensität und die Transportleistungen auf den Straßen und Autobahnen
um mehr als 30%. Auf den Autobahnabschnitten, die schon 1995 in Betrieb waren,
stieg das Verkehrsaufkommen bis 2000 sogar um 47%, wobei der LKW-Anteil um das
Doppelte anstieg.
Nach diesem einleitenden Vortrag folgten weitere Erläuterungen von Ing.
Vojtisek, dem stellvertretenden Leiter des Direktors Bau über die
Organisationsstruktur der Straßenwirtschaft, den Neubau, Ausbau und die
Instandsetzung des Straßen- und Autobahnnetzes sowie die Vielfalt der
Finanzierung der unterschiedlichen Straßenklassen. Weiterhin wurde uns von
Herrn Ing. Kaleta ein Einblick gegeben über die Straßendatenbank des Landes,
welches von privaten Ing.-Büros installiert
und gepflegt wird.
Es folgten weitere Erläuterungen und Vorträge von Ing. Lichnovski über die
Planfeststellung und Bauvorbereitung für die D8 im Abschnitt Lovosice –
Staatsgrenze CZ/D, von Ing. Preklikova und Ing. Nadvornikova über die 4-spurige
Umgehungsstraße von Pilsen sowie von Ing. Kaas und Preclikova über die
Schnellstraße R6 Karlovy Vari- Cheb – Pomezi nad Ohri. Inhalt waren die
Planung, Planfeststellung und Bauvorbereitung der Straßen ebenso wie
die Ausschreibung und Vergabe der Baumaßnahmen. Deutlich ging aus diesen
Vorträgen, welche untermalt wurden mit Planungsmaterial und farbigen Kopien der
Planung, hervor, dass seit der Öffnung der Grenzen vor 13 Jahren bei der
Planung und dem Bau der tschechischen Straßen die gleichen Probleme, verursacht
durch Umweltschützer und dem St.-Florians-Prinzip der Bevölkerung, auftauchen,
wie in Deutschland seit Jahren bekannt. Damit haben Planer und Erbauer ein neues
Arbeitsfeld, welches sie stark fordert und bindet.
Nach den Vorträgen wurde die Exkursion fortgesetzt zur Fernstraße R6 Karlovy
Vari – Cheb. Nach dem Mittagsessen an einer Autobahnraststätte wurden uns
u.a. ein geplantes Umbauvorhaben einer Talbrücke
vorgestellt,
bei der ohne Lehrgerüststellung wegen Landschaftsschutzgebiet eine mehrfeldrige
Brücke verbreitert werden soll. An der im Bau befindlichen Schnellstraße
wurden uns die einzelnen Bauabschnitte informell näher gebracht. Erst gegen
Abend erreichten wir wieder unser Domizil in Karlsbad.
Der Abend wurde zu einem gemeinsamen Abendessen genutzt sowie zu weiterem gemütlichem Beisammensein in der angenehmen gemütlichen Gastronomie einer bemerkenswerten Stadt.
Der nächste Tag führte
uns zu der Linienbaustelle der 4-streifigen Umgehungsstraße von Pilsen. Hier
wurde uns von Ing. Rytzko und Ing. Lacyk die einzelnen Baulose gezeigt, über
deren Planung und Durchsetzung bis hin zur Finanzierung uns tags zuvor berichtet
wurde. Man war beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Bauunternehmen sowie
den teilweise technisch sehr hoch stehenden
Anforderungen, die es zu bewältigen gibt, aber auch von der dringenden
Notwendigkeit, diese Straße zu bauen, um dem heute schon teilweise kaum zu bewältigenden
Verkehrsaufkommen halbwegs gerecht zu werden. Nach dem gemeinsamen Mittagessen
verabschiedeten sich die Herren der Straßenbauverwaltung. Nach einem
Besichtigungsgang durch die Stadt Pilsen fuhren wir zum Hotel zurück. Der Abend
wurde ausgefüllt mit ausgiebigem gemütlichen
Beisammensein.
Es verbleibt zu erläutern, wie das Ganze eigentlich sprachlich über die Bühne
gehen konnte. Hier waren alle Reiseteilnehmer sehr überrascht, als sich uns
schon am Hotel mit Herrn Nekula eine vom Ministerium in Prag engagierte
Dolmetscherin vorstellte. Diese Dolmetscherin, die, wie sie uns versicherte, nie
vorher viel mit Straßenbau im Allgemeinen noch gar nicht im Besonderen zu tun
hatte, schaffte es nahezu reibungslos, uns alle Vorträge in allen Einzelheiten
ins Deutsche verständlich zu übersetzen einschl. aller Fachbegriffe, wie auch
alle von der Reisegruppe gestellten Fragen so zu übersetzen, dass man es weder
als störend noch als hinderlich empfand, dass Gastgeber und Gäste eine so völlig
verschiedene Sprache sprachen. Ihr ist es im Besonderen zu verdanken, dass das Ganze
sehr harmonisch und verständnisvoll für beide Seiten ablief. Nimmer müde
stand uns diese perfekte Dolmetscherin auch für Fragen neben dem eigentlichen
Fachthemenkreis zur Kommunikation zur Verfügung. Sie hat damit entscheidend zum
guten Gelingen dieser gesamten Fachexkursion beigetragen.
Am nächsten Morgen stand eine Führung durch Karlsbad auf dem Programm unter
besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes und der Stadtsanierung. So war
es mit der Stadtverwaltung ausgemacht. Es empfing uns Herr Dr. Burachovic.
Ein perfekt deutsch-sprechender Karlsbader, Angestellter des Museums,
Schriftsteller mit mehr als 40 Büchern über die Stadt Karlsbad über die
verschiedensten Themenbereiche der Stadt und zudem ein
Fachmann
für Denkmalschutz und Bausanierung. Dieser Dr. Burachovic schaffte es mit
Leichtigkeit, die gesamte Reisegruppe in seinen Bann zu schlagen. Was er uns
in nur 2 Stunden in Karlsbad zeigte, berichtete, erläuterte und schilderte ist
kaum zusammenfassend zu schildern. Von der Entstehung der Stadt, dem Verfall der
Bausubstanz nach dem Kriege, der Sanierung nach der Wende, der politischen
Probleme zwischen Kultur und Kommerz, der Vorzüge der heißen Quellen, der
besonderen Stellung des Bades in der europäischen Geschichte und Kultur bis hin
zur vermeintlichen „russischen Mafia“ und deren Rolle in Karlsbad warf er
den Bogen seiner Kenntnisse. Man merkte in allen Themen, die er anriss, dass er
durch und durch ein Wissender der Stadt und ein Kämpfer für Erneuerung unter
Berücksichtung des Althergebrachten ist. Die Stadt Karlovy Vary hat in diesem Bürger
einen hervorragenden Werber für die Stadt gefunden, der uns alle bis zum
Schluss sehr beeindruckte.
Karlsbader Bild-Impressionen :
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Das Bild zeigt unsere Reisegruppe vor dem berühmten Hotel Pupp in Karlsbad. |
Gegen Mittag traten wir die Heimreise an und erreichten gegen Abend Siegen, wo unsere gelungene Fachexkursion sein Ende fand.
Über den Weg BMV in Bonn und das Verkehrsministerium im Freistaat Sachsen, welches eine Arbeitsgruppe mit dem Tschechischen Verkehrsministerium unterhält für den Bau der A17/D8 von Dresden nach Prag, gelang es durch deren Vermittlung, Herrn Schwarz als einen Ansprechpartner für unser Vorhaben der Exkursion nach Tschechien im Ministerium in Prag zu erreichen. Herr Schwarz, der deutschen Sprache sehr gut mächtig, entwickelte sehr viel Ehrgeiz und Energie, um uns diese Exkursion so inhaltsreich als möglich zu gestalten. Wenn er uns auch selbst leider nicht auf der Exkursion führen konnte, da er zur fraglichen Zeit im Ausland weilte, organisierte er trotzdem ein reichhaltiges Programm und gewann für Vorträge und Führungen eine stattliche Zahl von kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Karlsbad, Pilsen und Prag, die uns anschaulich und kompetent durch das Programm führten. Herrn Schwarz, der Dolmetscherin und den Kolleginnen und Kollegen der Straßenbauverwaltung gilt unser besonderer Dank.
Siegen, den 25.12.2002
PS. :
Technische Besonderheit hinsichtlich Verankerungs-Standards (Detail
„Hotel Pupp“)
