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VSVI-Olpe-Siegen-Wittgenstein zu Gast in Österreich

Die o.a. Bezirksgruppe hatte vom 12.09. bis 16.09. zu einer Studienfahrt nach Österreich eingeladen. Ziel der Exkursion war das Erkunden der Straßenbauverwaltung Österreichs, im Besonderen bei der Österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen Aktiengesellschaft (ÖSAG) in Salzburg und der Landesstraßenbauverwaltung des Landes Tirol in Innsbruck.

Wegen der großen Entfernung wurde die Hinfahrt am Mittwoch, dem 12.09. durchgeführt mit Übernachtung in Salzburg. Der Abend  stand zur freien Verfügung und wurde in geselliger Runde verbracht.

Am 13.09. waren wir zu Gast bei der ÖSAG in deren Hauptniederlassung in Salzburg. Aufs freundlichste wurden wir dort begrüßt von Herrn Direktor Dipl. Ing. Schedl, Abteilungsleiter Planung und Bau, zusammen mit seinem Mitarbeiter Herrn Walcher als Projektleiter des Vollausbaus der Tauernautobahn A10.

Herr Schedl erläuterte sodann eindrucksvoll und sehr anschaulich auch mittels Schaubildern den Aufbau und die Organisation der österreichischen Straßenbauverwaltung.

Das Straßennetz Österreichs gliedert sich wie in der BRD in die klassifizierten Straßen Bund, Land und Kreis. Das Bundesstraßennetz beträgt ca. 12.000 km, davon ca. 1.900 km mautpflichtige Autobahnen und Schnellstraßen. Der Bund hat die Aufgabe der Planung, der Baurechtschaffung, des Baus und der Unterhaltung an die Länder als klassische staatliche Verwaltung, sowie an die Autobahnen und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) übertragen. Während die Länder überwiegend den Bereich der normalen Bundesstraßen abdecken, betreut die ASFINAG ausschließlich das hochrangige Schnellstraßennetz. Hierfür wird sie aus dem Bundeshaushalt mit Mitteln ausgestattet wie sie auch Finanzmittel auf dem freien Markt aufnimmt. Die ASFINAG wiederum bedient sich bei der Erfüllung dieser Aufgaben der ÖSAG, der Alpenstraßen Aktiengesellschaft (ASG) und per Werkvertrag der jeweiligen Länder. Die ÖSAG und die ASG betreuen dabei ausschließlich sog. Mautstrecken, d.h. sie refinanzieren sich zu 2/3 aus den eingenommenen Mautgebühren und zu 1/3 aus den Finanzzuweisungen der ASFINAG. Alle 3 AGs sind bilanzpflichtige, eigenständige Gesellschaften, deren Aktien mehrheitlich in Bundesbesitz sind. Das Personal rekrutiert sich zum Einen aus ehemaligen Beamten und Angestellten der Bundes- und Länderstraßenbauverwaltungen, zum Anderen aus Angestellten aus Wirtschaft und Hochschulabgängern. Die ÖSAG und die ASG erledigen ihre Aufgaben mit eigenem Personal in Büros und Meistereien, sowie überwiegend mit freien Ing.-Büros. Sie vergeben auch Aufträge an die Länderverwaltungen.  Bei manchen großen Straßenbauvorhaben des Bundes stehen ASFINAG und die Länderverwaltungen im unmittelbaren Wettbewerb zueinander, für Planung, Baurechtschaffung und Baudurchführung. Die drei Aktiengesellschaften unterliegen einem permanenten wirtschaftlichem Veränderungsdruck, weil der Bund eine weitere Straffung seiner Verwaltungen anstrebt.

Nach diesem hochinteressantem Vortrag erläuterte Herr Walcher die Planung und Baurechtschaffung eines Lärmsanierungsprojektes an der Tauernautobahn. Hierbei schilderte er eindrucksvoll wie intensiv und nachhaltig auf die Bedenken und Anregungen aber auch auf die Widerstände eingegangen wird, sowie oftmals auch mittels Einschaltung verschiedenster Gutachter einerseits, als auch mit diplomatisch zu nennender Vorgehensweise andererseits, um dieses dann entsprechend  in der Planung umzusetzen. 

Gegen Mittag fuhren wir gemeinsam zum Tauerntunnel. Auf dem Weg erläuterten die Herren die verschiedenen Bauvorhaben an der bestehenden Tauernautobahn. Zwischen Tauern- und Katschbergtunnel in St. Michael besuchten wir die dortige Tunnel- und Autobahnmeisterei. In der Tunnelwarte empfing uns Herr Dipl. Ing. Sauter, der Sicherheitsingenieur der ÖSAG und Leiter der Tunnelwarte. Er schilderte uns auch aus eigenem Erleben die Entstehung und den Verlauf des großen Brandunfalls im Tauerntunnel. Des weiteren stellte er uns die technischen- und organisatorischen Konsequenzen aus diesem Unfall vor, die letztlich richtungsweisend sind und sein werden für den weiteren Neu-, Um- und Ausbau von Straßentunneln in Europa.

Nach Danksagung an unsere Gastgeber und Verabschiedung setzten wir unsere Fahrt nach Innsbruck fort, wo wir am Abend in unmittelbarer Nähe zum Goldenen Dacherl Quartier bezogen.

Am 14.09. starteten wir unseren Besuch bei der Landesstraßenbauverwaltung des Bundeslandes Tirol. Als Vertreter dieser Verwaltung begrüßte uns in einem kl. Vortragssaal unseres Hotels Herr Direktor Dipl. Ing. Aschaber, Abteilungsleiter für Planung und Bau. Er erläuterte uns den Aufbau, die Organisation und die wichtigsten anstehenden Planungs- und Bauaufgaben seiner Verwaltung.

Die Straßenbauverwaltung ist integriert in der allgemeinen Landesbauverwaltung, also nicht so selbstständig wie in den Ländern der BRD. Ansonsten aber mit ähnlichem Aufbau und Aufgaben. Intensiv erläuterte er uns die Baumassnahmen an der B 188 Landeck-Ischgl-Galtür. Hier werden umfangreiche Lawinenschutzgalerien erweitert und neu gebaut, wie auch diverse längere Tunnel. Diese Maßnahmen sollen die ganzjährige Nutzung dieser wichtigen Verbindung in das Touristenzentrum von Ischgl und Galtür sicherstellen. Des weiteren schilderte er intensiv die Planungs- und Baurechtschaffungsphase für den Bau der Ortsumgehung  Ried/Kaltenbach im Zillertal, welches Ziel unserer Fahrt am nächsten Tag werden sollte.

Nach diesem Vortrag fuhren wir gemeinsam nach Galtür. Dort empfing uns in der Dorfkirche der Bürgermeister des Ortes. Er erzählte uns in beeindruckender Art und Weise die Geschichte des Tales, seiner Einwohner und insbesondere mit teilweise bewegenden Worten über den Hergang und die Folgen des schweren Lawinenunglücks. Nach diesem furchtbaren Schreckensereignis hat das Land Tirol und der Bund finanzielle Sonderprogramme aufgelegt, um die Folgen zu schmälern und das Tal weiterhin für den Tourismus offen zu halten und somit den Einwohnern dort die weitere Existenz zu sichern. U.a. besichtigten wir anschließend das daraus finanzierte neu errichtete Lawinenschutzzentrum, welches im Rohbauzustand bereits seine zukünftige Nutzung als Kulturzentrum, Mahnmal und Versammlungs- und Veranstaltungsstätte aufzeigte.  Dieser Gebäudekomplex, der auch schon die Bergwacht und Feuerwehr beherbergt, ist integriert in den künstlich geschaffenen Schutzwall gegen weitere Lawinen und wurde in der Schneise errichtet, die damals von der Lawine gerissen wurde.

Auf dem Rückweg nach Ischgl machten wir Station an den verschiedenen im Bau befindlichen Galerien und Tunneln. Der örtliche Bauüberwacher gab uns zusammen mit Herrn Aschaber die entsprechenden Informationen über die baulichen Vorgehensweisen. Verbunden mit der Errichtung dieser Kunstbauwerke sind sog. Lawinenschutz und Lawienenleitwälle, bestehend aus bis zu mehreren 100.000 m² Bodenbewegung in steilstem unzugänglichen Gebirge. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden auf der Rückfahrt noch weitere Erläuterungen zu bau- und verwaltungsspezifischen Problemen gegeben.

Am Samstag, den 15.09. fuhren wir ins Zillertal zu der Baustelle Ortsumgehung Ried/Kaltenbach auf der B 169. Dieser Neubau umgeht den Ort mittels Querung der Ziller und östlicher Umgehung in landwirtschaftlich genutztem Gelände in unmittelbarer Nähe zu Gehöften. Herr Aschaber war von Anfang an in die Planung und Baurechtschaffung  eingebunden und konnte von daher interessante Details der Planung und der Kompromissschaffung mit den verschiedenen Interessen anschaulich darstellen. Er zeigte dabei beschrittene Wege auf, die so in der BRD noch keine Anwendung finden. Des weiteren erläuterte er das Bauvorhaben und die Abwicklung wie Vertragsrecht und Einbindung Dritter Landschafts-, Gewässer-, Sicherheits- und Gesundheitsschutz unmittelbar in den Bauablauf und die Baustelle selbst. Dabei wurden auch die Unterschiede zu Arbeitsweisen in der BRD deutlich. Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir Herrn Aschaber sehr herzlich, da er in der kurzen Zeit unseres Beisammenseins nicht nur dienstlich Allgemeines sondern insbesondere österreichisch Markantes in Bezug auf Straßenplanung, –bau und Ausführung uns Nahe brachte. Dieses gelang ihm mit seiner aufgeschlossenen und sympathischen menschlichen Art.

Nach Rückkehr in Innsbruck starteten wir gemeinsam zu einer Stadtrundfahrt  unter ortskundiger Führung.

Am Sonntag, dem 16.09. wurde die Heimreise nach Siegen angetreten.

Auf dieser Fahrt waren zum 1.Mal auch mehrere jüngere Mitglieder der Bezirksgruppe dabei. Die allgemein gute Laune, die interessanten Fachvorträge und nicht zuletzt die überaus geselligen Abende, die zumeist gemeinsam begangen wurden, brachten ein hohes Integrationspotential zum Tragen, welcher Antrieb gibt, weiterhin solche mehrtägigen Fachexkursionen durchzuführen.

Unser Dank gilt den o.g. österreichischen Kollegen!

            Klaus – D. Hilgendorff

Letzte Änderung: 20.03.2009, 20:00 Uhr.
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